KOBEL
Kuratie- und Wallfahrtskirche St. Maria Loreto

 
Die im Jahre 1602 durch den Augsburger Weihbischof Dr. Sebastian Breuning eingeweihte Gnadenkapelle auf dem etwa 530 m hohen Kobelberg in Westheim (Neusäß bei Augsburg) ist die wahrscheinlich älteste Loreto-Wallfahrt Deutschlands.
Graf Anton Fugger hatte 1582 für die Kapelle seines Schlosses in Hainhofen eine Nachbildung der Muttergottes-Figur des Domes von Loreto in Italien schnitzen lassen. 1601 kam das Gut Hainhofen an einen evangelischen Patrizier, der die Kapelle abreißen ließ, die Marienstatue jedoch seinem katholischen Nachbarn Karl Langenmantel schenkte. Dieser war nicht nur Patrizier und Ratsherr der Reichsstadt Augsburg, sondern auch eifriger Förderer der kirchlichen Erneuerung. Er ließ auf der ihm gehörigen Anhöhe "Kobel" (Berg) ein Stück Gelände roden und eine Kapelle in der genauen Form des "Heiligen Hauses" von Loreto bauen. Den Plan hierfür hatte ihm der Regensburger Domherr Heinrich Welser aus Italien besorgt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg entwickelte sich eine Wallfahrt auf den Kobel, so daß 1657 der Kapelle ein Langhaus vorgebaut wurde, um die wachsenden Pilgerströme aufnehmen zu können. 1670 bekam die Kirche einen Dachreiter-Kirchturm aufgesetzt. 1728 wurde das Langhaus durch ein größeres ersetzt und in Folge die Ausstattung der Kirche kontinuierlich mit Fresken, Leuchtern und Figurenschmuck bereichert. 1758 erfolgte der Anbau einer Beichtkapelle. Mehrfache Innen- und Außenrenovierungen, zuletzt 1991 - 93, sorgten dafür, daß uns dieses aus einer Privatinitiative hervorgegangene Kleinod bis auf den heutigen Tag erhalten blieb.
Für das 18. Jhdt. sind Wallfahrten von etwa 40 Ortschaften aus dem Landkreis auf den Kobel belegt. Diese Wallfahrten hielten über lange Zeit an, weshalb eine Wirtschaft und ein Aussichtsturm auf dem Kobelberg errichtet wurden. Diese Gebäude fielen der geänderten Zeit zum Opfer, doch noch in heutiger Zeit finden vereinzelte Fußwallfahrten zum "Heiligen Haus auf dem Kobel" statt, etwa am 1. Mai von den Gemeinden Batzenhofen und Hirblingen oder am ersten Septembersonntag von der Marianischen Kongregation vom Zentralklinikum ausgehend. Die Kirche besteht aus zwei Teilen: Langhaus und Gnadenkapelle. Letztere ist in Maßen, Form und Ausgestaltung genau dem "Heiligen Haus" nachgebildet, in dem der Legende nach Maria die Botschaft des Engels empfing und "das Wort Fleisch geworden" ist. Dieses wurde nach der Überlieferung im Jahre 1295 von vier Engeln aus Palästina nach Loreto übertragen. Heute nimmt man an, daß eine Familie Angelo, zu deutsch Engel, dafür gesorgt hat, daß die heiligen Steine während der Kreuzzüge nach Italien verschifft wurden, um sie vor den Muslimen zu retten.
Die Madonna in der Gnadenkapelle auf dem Kobel ist noch im Original erhalten, während die italienische Originalfigur 1921 durch einen Brand zerstört wurde. Die heutige Figur in Loreto, Italien, wurde aus Zedernholz aus den vatikanischen Gärten neu gefertigt und künstlich geschwärzt.
Das Deckenfresko der Beichtkapelle auf dem Kobel zeigt die Szene, wie das "Heilige Haus" von Engeln nach Loreto getragen wird. Im Langhaus ist Mariä Verkündigung dargestellt. Die beste Gesamtübersicht über den Außenaufbau bietet sich aus Nordosten. Hier sind die Gnadenkapelle mit aufgesetztem Turm, die quer angebaute Beichtkapelle und das Langhaus deutlich unterscheidbar.